You may have to Search all our reviewed books and magazines, click the sign up button below to create a free account.
Politik machte die 68er-Bewegung vor allem mit dem Körper: In Sit-ins, Teach-ins und Love-ins brachen ihre Akteure mit dem Habitus, den Normen, Werten und Kulturbegriffen der bürgerlichen Nachkriegsgesellschaft. Diese Revolte war meist performativer Natur und erschöpfte sich häufig in einem provokanten körperlichen Vollzug. Auch deshalb wird die politische bzw. kulturelle Rigorosität der Bewegung heute kaum noch erkannt – akademische und künstlerische Debatten verorten sie größtenteils als fernes, geschichtliches Ereignis. Die Beiträge dieses Bandes hingegen spüren den performativen Praktiken des Körperdenkens nach, die seit »1968« in Theater, Medien und Alltagskultur entstanden sind.
George Taboris The Cannibals (1968) und Die Kannibalen (1969) kreist um die existentielle Frage und Entscheidung des ‚Essens‘ oder ‚Nicht-Essens‘ von einem im Kampf um ein Stück Brot umgekommenen Mithäftling, bis sich am Dramen-Ende der Widerstand der meisten Figuren gegen den von der Täterfigur ausgeübten Zwang zum Kannibalismus durchsetzt.~– Ein Widerstand und eine Verweigerung, die darin gipfelt, sich nicht zu etwas zwingen zu lassen und menschlich zu bleiben, angesichts von Auschwitz. In diesem thematischen, von Tabori anvisierten Zusammenhang zwischen dem Essen des ‚echten Fleisches‘ bzw. dem Motiv ‚Kannibalismus‘, dem Essen, um zu überleben, sowie der zentralen Moralitäts- und Widerstandsfrage, zeigen sich vielschichtige ritual- und religionskritisch gerahmte dramatische Konstruktionen, die im Rahmen dieser Studie mit einem interdisziplinären Forschungszugang erschlossen werden.
Wiewohl konstitutiv für das europäische Theater seit der Antike, findet die Musik im Schauspiel erst in jüngerer Zeit überhaupt Beachtung. Dieser Band widmet sich erstmals ausschließlich dem raum- wie zeitumspannenden Phänomen von Theater mit Musik. Die historisch wie methodisch äußerst unterschiedlich verorteten Aufsätze bieten einen Einblick in die vielfältigen Realisierungen im Kontext spezifischer Theaterrealitäten einer über 400-jährigen Geschichte, der kulturellen Praxis in den verschiedenen europäischen Theaterzentren sowie des Kulturtransfers und fragen nach ihrem jeweiligen Bezug im intermedialen Gesamtereignis einer Aufführung.
Der Theater- und Opernregisseur Klaus Michael Grüber (1941–2008) war zeitlebens von Flucht und Migration nicht existenziell betroffen. Dennoch fühlte er sich den in seinen Inszenierungen immer wieder auftauchenden Immigranten, Flüchtlingen, Heimatlosen »an der großen Straße«, »dunklen Gestalten des Volkes«, nicht sesshaften Clochards offenbar nahe. Weit davon entfernt, die Wanderschaft solcher Verlorenen in seiner Kunst für die Ideologie einer Christus-Nachfolge in Dienst zu nehmen, transponierte und transformierte er vielmehr deren Lebensprinzip in dasjenige eines homo viator unter den Vorzeichen des kommenden Gottes Hölderlins und Heideggers. Der Band versammelt Unterlagen aus...
None
None
None